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Geschichte des Shibari

Die geschichtlichen Hintergründe der Kunstform Shibari und dessen Wandel im Laufe der Zeit.

Um das alles verstehen zu können, muss man sich gedanklich in das finsterste japanische Mittelalter begeben. Genauer gesagt in die Zeit ca. von 1534 bis 1616 nach Christus.
In dieser Zeit wurde das Ashikaga-Shogunat durch Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi sowie Tokugawa Ieyasu gestürzt. Hierdurch wurden die bitteren und blutrünstigen Kontroversen der kriegerischen Samurai Familienclans beendet.

Tokugawa Ieyasu war Gouverneur sowie einer der intelligentesten Männer innerhalb der Nobunaga-Partisanen, er nahm den zwischenzeitlich in Misskredit geratenen Titel eines Shogun wieder an und beseitigte die letzten Widerstände gegen sich in der Schlacht von Sekigahara im Herbst 1600.

Drei Jahre später errichtete er das streng geführte Tokugawa-Shogunat und verlegte seinen Amtssitz nach Edo (dem heutigen Tokyo).

Innerhalb der Zeit seines Aufstiegs und seiner Amtszeit entwickelte er teilweise persönlich und teilweise durch seine Knechte grausamste Foltermethoden.

Während der über 250 Jahre währenden Herrschaft der Tokugawa Shoguns, die sogenannte Edo-Periode, wurden Seile nicht nur zum Fesseln und Sichern von Gefangenen genutzt, sondern sie waren auch essentieller Bestandteil von extremen Foltermethoden. Vom Anbinden schwerer Felsbrocken an Extremitäten des Körpers oder der Fesselung in Positionen, die äusserst brutal und schmerzhaft waren, bis hin zu Fesselungen, die den Gefangen bei Befreiungsversuchen (oder auch nur dem Versuch eine andere Lage einzunehmen) erwürgten.

Der Clan der Tokugawa brach um 1867 zusammen als Japan dem westlichen Einfluss nicht mehr entkommen konnte. Die aufkommende Modernisierung trug einen Großteil zum Fall dieser brutalen Zeiten bei.

Die letztendlich als Shibari bekanntgewordene Kunst des Fesselns mit Seil geht eindeutig auf militärische, kriegerische und Samuraitechniken zurück. Auch wenn öfters versucht wird diese Tatsache dadurch zu beschönigen, dass ihre Anfänge kurzerhand in die Heian-Dynastie verlegt werden und dort in höfischer Manier zu Lustspielen diente.

Das oft erwähnte HoJu Jutso mag hier als einer von vielen Beweisen dienen, dieser Begriff wurde eindeutig in der Tokugawa-Dynastie geprägt.

Ho = Einfangen/Binden (gleichbedeutend dem Wort Tori)

Jo = Seil (gleichbedeutend nawa oder auch tsuna)

Jutsu = Fähigkeit/Kunst/Fertigkeit/Talent

Durch den Einfluss der „Moderne“ aus westlichen Staaten machte Japan verschiedene Phasen von Veränderungen und Entwicklung durch und bis zum Ende des zweiten Weltkrieges spielte die „Kunst mit dem Seil“ in Japan eine untergeordnete bzw. überhaupt keine Rolle. Erst nach dem Krieg und den damit zusammenhängenden Aufbauarbeiten wuchs das Interesse der Nachkriegsjapaner wieder an der Fesselkunst, stark ausgelöst durch den Einfluss von Europa und nicht zuletzt durch das Bekanntwerden der Geschichten des Marquis de Sade. Und da die Verwendung bisher genutzter Begriffe als „altmodisch“ galt, entstand zu diesem Zeitpunkt auch der heute bekannte Begriff Shibari bzw. Nawa Shibari.

Hier entstanden nun im großen und ganzen zwei Parteien.

Die traditionellen Seilkünstler (Shibaritai) verwenden ausschließlich die asanawa genannten japanischen Naturfaserseile aus Hanf oder Jute. Ferner finden ihre Kunstwerke im traditionellen japanischen Ambiente und Interieur statt.

Die „modernen“ Seilkünstler wiederum nehmen zum Fesseln, was ihnen gefällt und auch die Örtlichkeit dazu unterliegt keinem Reglement.

Wenn vom „östlichen Bondage“ gesprochen wird, ist damit die Methode des „Japan Bondage“ gemeint. Schon während der kriegerischen Anwendung der Fesseltechnik wurde darauf geachtet, dass mit der Fesselung eine gewisse Ästhetik verbunden war. So wurde z. B. darauf geachtet, dass die Seile möglichst symmetrisch über den Körper verliefen und damit ein gewisses „Kunstwerk“ geschaffen wurde. Auch erfolgte teilweise ein Setzen der Knoten auf Akkupressurpunkte.

Derartige Ansichten haben sich mit dem Einzug der Fesselkunst im erotischem bereich sehr verstärkt.

Etwas anders sieht dies aus, wenn vom „westlichen“ – oder modernen – Bondage gesprochen wird. Ursprünge dieser Art des Fesseln geht auf die Geschichte Amerikas zurück und hat schlicht und einfach die Immobilisierung des „Opfers“ zum Ziel.

Dabei soll dies schnell gehen – also mit wenig Aufwand – und zweckmäßig sein. Teilweise sind gewisse Einflüsse des östlichen Bondage zu beobachten und so findet man häufig Aufnahmen von Fesselungen, bei denen das Seil um den Hals der entsprechenden Person führt, um damit eine gewisse Atemreduzierung zu erreichen. Aber auch wenn es z. B. um Hängebondages geht, werden Stile der östlichen und westlichen Formen der Fesselung gelegentlich in einer Mischung eingesetzt, ohne dabei wiederum großen Wert auf die Optik zu legen. Hier steht die Zweckmäßigkeit eindeutig im Vordergrund.

Optische Beweggründe spielen somit beim westlichen Bondage eine deutlich untergeordnete Rolle, im Gegensatz zum östlichen Bondage wird meist auch kein Wert auf besondere Materialien gelegt, so dass vom Hanfseil über Tape und Isolierband bis hin zu Handschellen alles Verwendung findet, was der schnellen, unkomplizierten Immobilisierung dienlich ist.

Danke fürs Lesen

Liebe Grüße

Immo / Q-Shibari